Die Kurve nimmt keine Rücksicht auf dich

Ein Beitrag aus aktuellem Anlass, den man entweder kennt oder nicht kennt. (Ich halte mich mysteriös.)

Ich möchte über den Druck sprechen. Den Druck als AutorIn, aber ganz im Speziellen: Dem Druck als Selfpublisher.

Die Möglichkeit, zu selfpublishen, hat dem gemeinem Schreiberling – so auch mir – Pforten eröffnet. Man muss nicht mehr in das oftmals elitäre Verlagswesen hineinkommen, jemanden kennen, der jemanden kennt, die Flut an tausenden Manuskripten überdauern, um vielleicht eines Tages auserwählt zu werden … man tut sich die ganze Arbeit selbst an und geht auf Risiko. Klick. Ladet es hoch. Wartet, ob jemand Fremder außerhalb von Freunden und Familien Interesse zeigt.

Wie das Verlagswesen gern klagt, hat sich dadurch auch der Buchmarkt verändert. Er ist schnelllebiger geworden. Zuletzt sagte eine Freundin zu mir: Ich habe das Gefühl, bei Übersetzungen wird heutzutage nicht mehr so gut gearbeitet wie früher. Es liest sich für mich oft wie ein „schnell-schnell“ und hat noch Fehler.“ Ob das stimmt, mag ich nicht zu sagen. Es handelt sich um eine subjektive Einschätzung. Was aber richtig ist, ist dieses schnell-schnell, das dem Leser/ der Leserin oft nicht bewusst ist.

Ich liebe deine Bücher und warte auch länger darauf!

Als ich letztes Jahr in einer Schaffenskrise war, ging es mir unter anderem nicht nur deswegen schlecht, weil ich nicht schreiben konnte, sondern auch, weil ich meine selbstgesteckten Ziele nicht einhalten konnte. Jemand anderer schrieb gestern auf FB: „Wie soll es echten AutorInnen gehen? Die echte Abgabetermine vom Verlag haben?“ Erstens einmal möchte ich das „echt“ doch bitteschön revidiert sehen. Was unterscheidet einen Autor mit Verlag von einem Selfpublisher in seinem Schaffensprozess? Bis zu dem Punkt, an dem das Manuskript fertig ist, wohl gar nichts. Zweitens: Als Ein-Mann-Betrieb muss man sich alle Ziele selbst stecken. Und sie auch selbst einhalten. Ein selbst gestecktes Ziel kann genau so in Felsen gemeiselt sein wie ein fremdgestecktes Ziel, schließlich ist man sein eigener Boss. Warum aber dieser Fokus, ein Buch „schneller“ herauszubringen als man arbeiten kann?

Ich habe jetzt diese und diese Reihe angefangen, aber dein Buch kommt ganz bestimmt danach dran.

Die Veröffentlichung ist das Um und Auf eines Selfpublishers. Die Veröffentlichung entscheidet darüber, ob du in den Chartspitzen landest, wie weit oben, und wie weit oben du in den nächsten Wochen bis Monaten gesehen wirst.Wenn einem Leser oder eine LeserIn dein Buch gefällt, würde sie gern das nächste Buch lesen. Existiert es bis dahin noch nicht, ist sie gewillt, einen gewissen Zeitraum zu warten. Das Absurdeste an der Sache ist:
Bei den Idealzeitraum handelt es sich um ungefähr 3 Monate.

Ich weiß nicht, wie irgendjemand ein Buch schreiben, überarbeiten und druckfertig machen kann, und das in 3 Monaten. Ich kann es nicht. Mein Idealziel sind 6 Monate, doch es fällt mir sehr, sehr schwer, das einzuhalten. Eigentlich bräuchte ich ein dreiviertel Jahr, wie auch bei „Die versunkene Stadt“. Für einen Schreibenden klingt ein 3/4 Jahr ambitioniert. Man hat schließlich noch ein anderes Leben. Für den äußerst schnellebigen Buchmarkt aber ist es eine Ewigkeit.

Und auch wenn es die 1-2 Leute gibt, die darauf warten werden – so gibt es genügend andere Leute, die bis dahin eine neue Lieblingsreihe aufgetan haben und dein Buch vergessen.

 

Ich liebe dein Buch – ich kann es nicht aus der Hand legen!

Bei meinem letzten Buch habe ich weniger Werbung gemacht. Das habe ich gemerkt. Ich hasse es, Werbung zu machen. Meine Einstellung ist: Wer mein Buch lesen will, soll es tun – und wer nicht, der nicht. Leider schlägt sich das in meinen Verkaufszahlen wieder. Frappant. Mein Idealismus und die Idee, andere nicht unnötig behelligen zu wollen, schadet mir geschäftlich.

Wer in den ersten 1-3 Tagen nicht alles aus den Verkäufen rausholt, rutscht unten durch. Er wird einfach nicht gesehen, auch ältere Bücher erhalten keinen Verkaufsschub. Natürlich – die Hardcore-Fans werden dein Buch kaufen. Irgendwann. Und versteht mich nicht falsch: Ich bin so dankbar dafür, dass es Leute gibt, die mit Herz und Blut auch 1 Jahr auf das neue Buch warten. Aber wir sprechen hier nicht von dem neuen G.R.R Martin, sondern von mir: Und das kann einem das Bein brechen.

Dasselbe ist es mit Rezensionen und Erwähnungen. Eine Kollegin hat soeben ein Buch veröffentlicht und es geschickt eingefädelt. Es ist überall auf Facebook zu sehen, weil sie ein Netzwerk an Bloggern das Buch vorab zu lesen gegeben hat. Das macht Werbung, Lust darauf, es sich ebenfalls runter zu laden. So wie ich es sehe, ein toller Start für ihr neues Buch. Auch wenn es „zufällig“ gewürfelt wirkt, steckt eine kalkulierte Werbekampagne dahinter. Rezensionen und Erwähnungen sind ein wichtiger Bestandteil eines Buchstarts, funktioniert dieses System nicht, gerät das Buch in Vergessenheit.

 

Dein Buch macht sich doch gerade so gut! Das heißt, du hast die nächsten Monate Ruhe!

Die Verkaufskurve eines Buchs kann man sich ungefähr so vorstellen:

verkaufskurve

(feiern wir meine professionellen Photoshop-Kenntnisse)

Das Anfangshoch entsteht durch die Leute, die du vor der Veröffentlichung durch Werbung erreicht hast, Freunde und Verwandte und große Fans. Da nicht alle das Buch am ersten Tag kaufen, gibt es an Tag 2+3 noch Nachwirkungen. Das ergibt einen Verkaufsspitz. Danach ist es mit Büchern wie mit radioaktivem Material – die Verkaufszahlen halbieren sich. Nicht täglich, aber im Abstand einiger Tage. Langsam sinken die Zahlen wieder zu Boden zurück, wobei je nach Erfolg und veröffentlichten Büchern es nie ganz auf 0 geht, weil dann doch immer wieder jemand eins deiner Bücher findet und kauft. Heißt: hast du ein Buch draußen, wird es sich auch ein paar Mal im Monat verkaufen. So war es zumindest bei mir.
Die Zeit, in der du aber nun die Kosten für ein Buch reinholst (Lektorat, Korrektorat, Cover, ev. Werbung, Werbegeschenke etc., Bloggerexemplare), sind die  ersten Wochen. Es sei denn, du hast einen so großen Kundenstamm, dass du ohnehin 100.000 Bücher verkaufst. Dann gratuliere ich dir und ziehe mein Kapperl vor dir.

 

Kommt in der Zeit, in der deine Kurve sinkt, ein neues Buch raus, schwingt natürlich die Kurve wieder hinauf.

Die Zerfallszeit eines Buches lag bei meinen Büchern zwischen 1,5 und 3,5 Monaten – also die Zeit, bis meine Verkäufe wieder „unten“ waren.

Deswegen ist der Druck auch so hoch, innerhalb von 3 Monaten ein neues Buch rauszubringen.

Kein Autor will sich anschauen, wie die Kurve dort unten herum deprimiert.

Die Kurve nimmt keine Rücksicht darauf, ob gerade etwas in deinem Leben passiert und du nicht schreiben kannst. Sie nimmt keine Rücksicht darauf, ob du dein halbes Buch streichen und neu schreiben musst, ob sich Leute für andere Bücher interessieren, ob sie dich vergessen. Sie nimmt keine Rücksicht auf dich und deinen Zustand, oder ob du mitten im Buch steckst und nicht mehr weiter weißt. Sie nimmt keine Rücksicht darauf, wenn dein Lektor sagt, dein Buch ist scheiße und du sollst es doch bitte nochmal schreiben (ja, schon passiert). Sie nimmt keine Rücksicht darauf, ob deine Beta-LeserInnen Zeit haben.

 

Du bist der Kurve egal.

 

Ich selbst weiß, dass ich diese Zeit einfach nie und nimmer einhalten kann, will ich meine Qualität aufrecht erhalten. Deswegen habe ich mir andere Ziele gesteckt. Aber ich bin mir ganz sicher, dass diejenigen, die diese Maßeinheit einhalten können, auf Dauer erfolgreicher im Selfpublishing-Business sind.

Andere zerbrechen daran.

 

Ich hoffe, ich konnte euch einen kurzen Einblick in die Welt der Kurven geben.

alles Liebe, eure Katharina

Advertisements

37 thoughts on “Die Kurve nimmt keine Rücksicht auf dich

    1. Hallo Mara, wenn man die das Hobby zur Arbeit macht, wird die Leidenschaft zum wirtschaftlichen Überlebenskampf … leider. Ich weiß nicht, wie es bei dir ist, du schreibst ja auch – ich wollte nur von meinen Erfahrungen und denen befreundeter AutorInnen berichten, die ähnliche Probleme kennen.

      Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die einfach mal ein Buch raufladen und dann gleich einen Bestseller landen und sich über so etwas vielleicht keine Gedanken machen müssen. Aus aktuellem Anlass wollte ich aber diese Romantifizierung durchbrechen. Es ist Knochenarbeit und ein harter Business, wie oft in kreativen Branchen. Ich empfinde es zumindest so.

  1. Liebe Katharina, ich suche jemanden, der von Physik keine Ahnung hat und in der Lage ist, einfache oder schöne Sätze zu formulieren.
    Ich habe schon zigfach versucht, eine offensichtlich einfache Theorie zu beschreiben, die eigentlich schon Grundschulkinder gut verstehen können, kam aber wiederholt in Schwierigkeiten, weil ich komplexe Zusammenhänge komplex darstellen musste, um präzise bleiben zu können. Dabei ist die Theorie doch kinderleicht!

      1. Hallo Katharina, meine Frage war nicht ironisch gemeint. Ich bin sehr daran interessiert, eine einfache Darstellung für (physikalisch kompliziert anmutende) Sachverhalte zu bekommen. Jemand, der mit seinen Büchern erfolgreich demonstriert, was die einfache Sprache leistet, wäre dabei hilfreich, dachte ich. Aber es kann auch ein Irrtum meinerseits sein, anzunehmen, dass es eine passende Sprache gibt. Denn die Fantasiewelt wird häufig nur skizziert, kurz angetippt und das Ausmalen erledigt der Leser selbst.

  2. Sehr spannender Artikel! Soetwas in der Art habe ich mir schon fast gedacht, auch wenn ich nicht damit gerechnet habe, dass die idealer Wartezeit eine so kurze ist.
    Aus diversen Anflügen von Selbstbetrug habe ich früher geglaubt, dass ich nichts auf Followerzahlen gebe, solange ich nur ein bisschen Feedback auf Blogbeiträge erhalte – nun erwische mich aber doch, wie ich immer auf die Klicks linse. Ich hoffe, dass, wenn mein Buch eines Tages draußen ist, mich diese Verkaufskurve nicht allzu sehr frustet und ich mein Vorhaben, aus bloßer Freude am Schreiben zu schreiben und um hin und wieder ein paar Menschen in die Romanwelt zu entführen, nicht selbst verrate.

    Ich lese dann hier mal jetzt weiter mit, danke für einen schönen Post!

    1. Liebe Steffi,

      Ich hoffe, ich habe hiermit niemanden so desillusioniert, dass er/sie seine Vorhaben fallen lässt. Das war ganz und gar nicht mein Ziel! 🙂 Ich möchte einfach meine Erfahrungen teilen. Jeder, der sein Buch an die Öffentlichkeit heraus gibt, möchte ja gern eine breitere Masse ansprechen. Und das, was ich schreibe, hat ja nur sekundär mit Geld zu tun.Wie ich unter meinem Blog-Titel stehen habe: Wer schreibt, will auch gelesen werden.
      Zukünftige Käufer sind eben auch LeserInnen. Wir alle wollen sie mit unseren Geschichten erreichen.

      Ich bin in einigen LeserInnengruppen unterwegs, wo das Schreiben (auch von AutorInnen!) oftmals romantifiziert wird. Das erste Rohmanuskript ist auch noch bei mir sehr romantisch 😛 Aber dann kommt die Überarbeitung etc. und dann merkt man einfach – mein schreibt nicht nur länger für die Schublade, man will auch etwas/jemanden damit erreichen.

      Das hier sind die Nachteile davon. Das heißt nicht, dass ich mich nicht jedes Mal freue, wenn ein neues Buch rauskommt, auch wenn es länger dauert. Ich wollte nur den vermeintlichen „Idealzustand“ aufzeigen.

      Dass ich meine Deadline einmal nicht einhalten konnte, war im ersten Moment schrecklich für mich, aber so habe ich jetzt auch einen Frieden gefunden. Es dauert so lang, wie es dauert. Ich bin ein Mensch und keine Maschine – und das ist gut so. 🙂

      Ja, das mit dem Blog kann ich mir vorstellen *lach* Ich habe eine Seite auf FB und die stellt auch immer graphisch ein Auf und Ab dar und zeigt mir in Rot an, wann ich wieder weniger Klicks habe … ich würde es am liebsten weg machen -.- .

      Bezüglich: “ Ich hoffe, dass, wenn mein Buch eines Tages draußen ist, mich diese Verkaufskurve nicht allzu sehr frustet und ich mein Vorhaben, aus bloßer Freude am Schreiben zu schreiben und um hin und wieder ein paar Menschen in die Romanwelt zu entführen, nicht selbst verrate.“
      Der einzige Weg, sich selbst zu überlisten, ist wirklich, sich treu zu bleiben, denke ich. 🙂

      1. Desillusioniert hast mich persönlich jetzt gar nicht, alles gut 😀 Ich mag solche Einblicke! Außerdem bin ich mit meinen 30 Jännern schon oft genug desillusioniert worden, sodass ich langsam schon selber die Dinge realistischer angehe, statt der Reaität zu erlauben, mich fertig zu machen (wenn’s eben geht :p). Ich weiß, dass ich nie vom Schreiben leben werde und das ist auch gut so. Denn für meine innere Zufriedenheit gehört ein kalkulierbares Monats- bzw. Jahresgehalt dazu – das habe ich als Selfpublisher eher weniger, oder zumindest in den meisten Fällen nicht.

        Das hier sind die Nachteile davon. Das heißt nicht, dass ich mich nicht jedes Mal freue, wenn ein neues Buch rauskommt, auch wenn es länger dauert. Ich wollte nur den vermeintlichen “Idealzustand” aufzeigen.
        So habe ich das auch verstanden 😀

        Der einzige Weg, sich selbst zu überlisten, ist wirklich, sich treu zu bleiben, denke ich.
        Sich treu bleiben ist tatsächlich harte Arbeit. Ich kenne sie von fast 10 Jahren Bloggen. In Sachen Schreiben habe ich diese Kämpfe wahrscheinlich nicht einmal zur Hälft mit mir ausgetragen. Ich glaube, da kommen noch einige Sachen auf mich zu (Überarbeitung, Kritik von Betalesern etc.). Auch wenn ich mich da also noch etwas „unfertig“ fühle, bin ich aber optimitisch, dass sich alles fügen wird. Solange ich zumindest hartnäckig bleibe, auch in schlechten Zeiten 😀

      2. Wow, 10 Jahre bloggen, da hast du ja schon wirklich Einiges an Erfahrung. Und ich denke, dass das nicht so unterschiedlich ist – man will ja auch jemanden damit erreichen.

        Bei mir war es nicht das erste Mal TestleserInnen, das für mich hart war – damals waren es weitgehend Bekannte, weil es anfangs schwer ist, Interessenten, die auch Zeit haben, von wo anders aufzutreiben – sondern erst beim zweiten Buch eine 2.Leserunde. Davor sind alle Leserunden gut gegangen. Die hat mein Buch komplett zerrissen. Schreibblockade, 3 Monate.

        Gott sei Dank bin ich da durch. Es war wirklich so, dass ich mir gedacht habe: Will ich das?

        Aber dann siegt doch der Ehrgeiz. Und ich hoffe, mir einen Basis-LeserInnenkreis zu erarbeiten, von dem ich einmal leben kann. Ich bin ja genügsam, so viel braucht der Mensch nicht zum Leben.

        Bezüglich treu bleiben und bloggen – ich fand das Bloggen immer schwieriger als Bücher zu schreiben. In Büchern konstruiere ich meine eigene Welt, wie viel ich aber von mir und meinem Privatleben hineinlege, steht offen.
        Beim Bloggen ist es anders. Da stehst du doch als Privatperson irgendwie im Rampenlicht. Damit habe ich immer schlecht umgehen können. Ich habe auch länger überlegt, ob ich diesen Artikel schreiben soll, da er doch sehr viel über mich selbst erzählt. Aber ich denke, es ist ganz gut, dass ich es getan habe.

  3. Hallo Katharina,

    Vielen Dank für diesen grandiosen Beitrag. Das kann ich 1:1 so unterschreiben, du hast genau die richtigen Worte gefunden um die Situation der Selfpublisher zu beschreiben.

    Dann stellen wir uns dem Druck und lass uns nicht aufgeben. 😉

    LG, André

    1. Hallo André,
      Es freut mich, dass mein Artikel Zuspruch findet. Ich kann ja nur das schreiben, wie ich es sehe/empfinde, aber an den Reaktionen erkenne ich, dass es nicht nur mir so geht! 🙂 Ja, da müssen wir durch. Writing is hard work! 😀

  4. Hat dies auf Mein Traum vom eigenen Buch rebloggt und kommentierte:
    Katharina V. Haderer gibt in ihrem Blogbeitrag einen sehr spannenden Einblick in die Welt der Kurven, die ein Buch- und Verkaufsleben im Selfpublishing bestimmen. Auf die eine Art ist es sehr Augen öffnend, allerdings nicht so desillusionierend, dass ich jetzt gleich die Flinte ins Korn werfen werde.

    Aber wenn mir jetzt noch einer verraten würde, wie ich alle drei Monate einen Roman veröffentlichen soll …

    1. Wie gesagt, das hat mir auch noch niemand verraten 😛 Die Leute, die mir bekannt sind, schreiben meist Liebesromane oder auch Novellen von 70 Seiten.

      Im Büchergeschäft siehst du, wenn ein Wälzer 700 Seiten hat. Der eBook-Markt hat das obsolet gemacht. Man bekommt nur eine virtuelle Datei in Prozent geschickt, das Gefühl dafür, ob etwas 100 oder 700 Seiten hat, kommt dadurch abhanden.

      1. Daher schätze ich es sehr, wenn zumindest eine ungefähre Seitenzahl dabei steht. Ist ja bei Amazon häufig der Fall. Klar variiert die durch meine eBook-Einstellungen.

        Gibt es aber so viele Überschneidungen zwischen den Käufern der 70-Seiter und der 700-Seiter? Haben die alle jeweils denselben Anspruch an den Autor?

      2. Ich kann das selbst nur schwer abschätzen. Da ich mich im Bereich Fantasy bewege, kann ich nur folgende Beobachtung abgeben: Diejenigen, die epische 700-Seiten-Wälzer lesen wollen, gehen auch lieber in die Buchhandlung und fassen die Bücher an, sehen, wie dick sie sind, etc.

        Schnellleser, die viele eBooks und schnell eBooks lesen und kaufen, sind vor allem im Romantasy & Young Adult Bereich zu finden. Die erfüllen meist die Durchschnittszahl von 200-300 Seiten.

        Was ich allerdings bemerkt habe – du kannst ein Buch mit 500 Seiten zwar um €4,99 anbieten, ein Buch mit 700 Seiten um €6,99, die €2,99-Bücher (veranschlagt für durchschnittlich 300 Seiten) werden sich trotzdem besser verkaufen, weil die Hemmschwelle einfach niedriger ist. Deswegen verkaufen viele Indies ihre Wälzer auch um weniger, um ein Publikum und NeuleserInnen zu erreichen.

        Was ich aber gelesen habe – €0,99-Schnäppchen werden durchschnittlich schlechter bewertet als €2,99-Bücher. Weil die LeserInnen, die 0,99-Schnäppchen kaufen, anders rezensieren (ich nenne es mal so). Das fand ich sehr interessant.

      3. Hat das vielleicht auch was damit zu tun, dass gerade im Fantasy-Bereich die Befürchtung recht hoch ist, dass die dicken Wälzer nicht unbedingt auch in Sachen Originalität halten, was der Umfang verspricht? Ist jetzt nur so ein Gedanke, weil einige Leseproben, die ich mir so angeschaut habe, doch eher wie Versatzstücke aus großen Vorbildern wirkten. Muss aber so nicht sein.

        Ich würde bei meinem ersten Roman, der ja irgendwann dieses Jahr erscheinen wird (ich muss mir das nur immer wieder einreden *g), wohl auch nicht über die 2,99 EUR gehen. Da tragen die Indies aber wahrscheinlich auch „Mitschuld“ dran, weil sie für die Käufer diese Grenze geschaffen haben, an der die Hemmschwelle beginnt. Letztlich ist das wie bei allem im Leben: wenn ich ein Angebot in einer Preisspanne bekomme, dann nehme ich das und es braucht einiges an Argumenten, dass ich auch mehr bezahle. Und wie du schon schriebst, die Seitenzahl alleine ist nicht zwingend so ein Argument.

        Das mit den 0,99 EUR-Büchern finde ich auch interessant. Würde mich mal interessieren, woran das liegt. Hat deine Quelle da was zu gesagt?

      4. Die SP sind ganz sicher Mitschuld an dieser Preisdrückung. Kein Wunder – irgendjemand hat einmal sein Buch um 0,99€ angeboten und wenn du 100.000 davon verkaufst, sind es immer noch 30.000€, die du daran verdienst. Große Namen aus Amerika haben es überhaupt an die Spitze gebracht, weil sie das Buch zuerst gratis anboten, damit an die Spitze schossen und es anschließend für Geld feil boten.

        Die Sehnsucht nach der Spitze und verführerische Preisaktionen machen es einfach, sich selbst unter dem eigenen Wert zu verkaufen. Man erhofft sich ein besseres Ergebnis.

        Ich glaube, dass ich das mit den €0,99-eBooks bei Matthias Mattnig gelesen habe, nagle mich aber nicht darauf fest. Ich erinnere mich, dass 1€-Bücher mehr … *räusper* Trolle anziehen, die auch gern mal unkommentiert schlechte Rezensionen geben. Außerdem, und das fand ich besonders interessant, geben LeserInnen angeblich teureren Büchern automatisch bessere Rezensionen, weil sie sie nicht als Ramsch einstufen (außer, die äußeren Rahmenbedingungen passen so überhaupt nicht, dass es eindeutig ist. Der Preis ist ja nur eine Teilleistung.). Quasi: Der Regenschirm, den du in einer Edelboutique kaufst, MUSS qualitiativ besser sein, als der Regenschirm, den du um 0,99€ im 1€-Shop gekauft hast. Einige Selfpublisher haben diese Erfahrung bejaht, je nachdem, für wie viel sie ihre Bücher hergegeben haben. Ob das natürlich für alle gilt, sei dahingestellt. Ich selbst habe das noch nicht ausprobiert. Meine Bücher gab es entweder gratis, oder zwischen €2,99 und €5,99. Drunter bin ich mit dem Preis nie gegangen.

      5. Sehr interessant! Dankeschön für die aufschlussreichen Gedanken.

        Den „Regenschirm-Effekt“ hatte ich in diesem Zusammenhang gar nicht bedacht. Aber es klingt schlüssig. Jetzt darf Autor nur nicht den Fehler machen, sich einzureden, dass der teure Schirm qualitativ auch nicht unbedingt besser ist als der aus dem Euro-Shop. Denn das könnte bei Büchern nach hinten losgehen, auf denen eben kein bekannter Designername prangt.

        Sich selbst unter Wert verkaufen – erst einmal muss Autor ja herausfinden, was sein Wert eigentlich ist! Auch nicht ganz profan, diese Angelegenheit.

      6. Etwas Positives an der Sache: Mit jedem Buch erfährt man einen größeren Bekanntheitsgrad. Es passiert dann eher, gerade in der Szene, oder in den sozialen Medien, dass dich Leute „kennen“.

        Trotzdem ist ein niedriger Preis als Einstieg zu empfehlen, denke ich. Ich denke, als Neuling steigt man mit €2,99 ganz gut ein.

  5. Wow, dass war ein wirklich erhellender Artikel. Übrigens haben mir meine Lieblingsautoren (groß und bekannt) angewöhnt, dass man schon so ein Jahr auf das nächste Buch warten muss, deswegen war ich über die Zeitspanne von drei Monaten sehr erstaunt. ich persönlich kann nicht glauben, dass jemand alle drei Monate was gutes neues einfällt.

    1. Die meisten, die ich kenne, die wirklich in diesem Rhythmus arbeiten können (und besonders viele davon kenne ich nicht), schreiben hauptsächlich Liebesromane und schieben schon mal eine Novelle dazwischen. Heißt, statt 250-300 Seiten einmal 70 Seiten. Durch das eBook ist man nicht länger an die Dicke eines Buches gebunden – man sieht es nicht im Schrank und denkt sich: Mann, 700 Seiten, davon hab ich was. Durch den Hypertext und die Prozentangaben fehlt das Gefühl für die Länge des Buches. Die LeserInnen sehen hauptsächlich auf bewehrte Namen / Verlage und den Preis, so ist zumindest meine Erfahrung.

      Wie gesagt, ich kann das auch nicht einhalten. Die wenigsten können das. Selbst 6 Monate sind oft utopisch. Der bittere Nachgeschmack bleibt, weil man die Kurve ja wieder nach oben schwingen sehen möchte.

  6. Vielen Dank für diesen ehrlichen Beitrag, Katharina – kann das so 100% unterschreiben. Genau wie du werde auch ich es nie schaffen, in 3 Monaten ‚Nachschub‘ zu liefern, aber ich möchte mir das ehrlich gesagt auch gar nicht als Ziel setzen. Ich bewundere die, die wirklich alle 3 Monate ein gut geschriebenes und auch noch recherchiertes Buch auf den Markt bringen, aber das sind doch sehr, sehr wenige. Bei allen anderen SPlern – wie auch mir selbst – freue ich mich einfach, wenn wieder etwas Tolles von ihnen auf den Markt kommt, sei es nun 6, 9, 12 oder auch mehr Monate später. Wer gut schreibt, dem bleibe ich als Leserin treu.

    1. Hallo Bernadette,
      Ich freu mich, dass du vorbei schaust! Ich kann mir auch nicht vorstellen, wie das geht – wie viel und konzentriert man innerhalb kurzer Zeit arbeiten muss. Dazu kommt mir einfach „das Leben“ dazwischen!

      Und ich wollte damit auch gar nicht sagen, dass diese 3 Monate aus menschlicher Sicht ein erstrebenswerter Zustand sind. Wie du bin ich da doch eher für eine Entschleunigung 😛
      Und ja, so geht es mir auch. Manchmal bin ich ein bisschen frustriert, wenn andere viel schneller schreiben als ich, aber solange kein Zaubertrank erfunden wird, der mich schneller macht, wird es so bleiben! 😛

  7. Ja, du hast Recht, es ist ein enormer Druck, dem man aber nicht nachgeben muss, indem man den leichten Weg nimmt (worauf Du ja anspielst).

    Der Aussage, dass man zum Schreiben von Liebesromanen weniger Zeit brauchen soll, muss ich vehement widersprechen. Auch ein Liebes- oder Erotikroman braucht seine Zeit, soll er vernünftig geschrieben sein, fehlerfrei und lektoriert. Das ist in drei Monaten nicht zu schaffen.

    Hat man sich aber entschieden, vom Schreiben zu leben, muss nachproduziert werden, was zu einem harten Kampf führt (führen kann). Niemand gibt sich gerne mit ständig sinkenden Einkünften zufrieden.

    Dass die Kurve inzwischen nach drei Monaten auf einem sehr niedrigen Level ankommt, kann ich nur bestätigen, vor drei Jahren waren es noch ca. 6 Monate. Aber man kann sich trösten: der „Longtail“ bringt langfristig auch Einnahmen, mehrere davon summieren sich ebenfalls …

    Manchmal bedaure ich, dass mir als Selfpublisher kein Außenstehender im Nacken sitzt, ich muss mir also selbst Druck machen. Da ich auch zu denen gehöre, die morgens erst einmal alles Mögliche tun, nur um nicht mit dem Schreiben anfangen zu müssen (zum Beispiel Kommentare verfassen, Blogbeiträge lesen), laufe ich dauernd mit schlechtem Gewissen herum!

    1. „Der Aussage, dass man zum Schreiben von Liebesromanen weniger Zeit brauchen soll, muss ich vehement widersprechen.“ Ich muss sagen, dass ich persönlich mir überhaupt nicht vorstellen kann, einen Liebes- oder Erotikroman zu schreiben. Ich halte mich schlichtwegs für unfähig dafür, weil ich nicht wüsste, wie ich das aufziehen soll, ohne dass es nach 30 Seiten auch schon wieder endet. Ich hoffe also, niemand hat das in den falschen Hals bekommen. Genauso wie es schlechte und bessere Fantasy-Romane gibt, gibt es sicherlich auch schlechtere oder bessere Liebesromane. Ich darf mir da kein Urteil anmuten, da ich ja in selbigen Genre nicht schreibe.

      Ja, das mit dem „Longtail“ habe ich auch bemerkt. Natürlich ist es dann auch noch abhängig davon, wie viel man generell verkauft. Ich verkaufe jetzt ein bisschen mehr Bücher im Monat als noch vor dem letzten Buch, müsste aber sicherlich 10 Bücher draußen haben, um da auch nach Monaten noch ein beständiges Einkommen zu haben (und damit meine ich gar nicht ein Grundeinkommen, so weit war ich noch nie).

      Hahaha, ja, wem sagst du das. So viel Zeit, wie ich auf Facebook verplempere, könnte man meinen, ich hätte schon viel mehr Bücher geschrieben.

  8. Annika hat dich mal empfohlen… 🙂 Ich finde Kundenbindung wichtiger. Das geht mit Blogeinträgen z.B. ganz gut, in dem man dem Leser zeigt, dass etwas passiert. Dass der Autor einem etwas gibt, auch wenn es erstmal kein neues Buch ist. Ich finde es aber toll, dass zunehmend mehr Autoren sagen: Werbung liegt mir nicht. Als Leser erwartet man das und der Autor hat keinen Verlag, der das für ihn tut. Aber… sich anpreisen ist schwer. Ich glaube, es ist heutzutage schwer, ein cooler, anonymer Autor zu sein, der einmal jährlich ein total krasses Buch rausbringt und danach wieder verschwindet. Ich lese grade eine Buchreihe, die im Sommer veröffentlicht wurde und über den Autor ist wenig zu finden. Es ist gut, aber ich möchte den Autor einschätzen können, sehen, was mich zukünftig erwartet – das geht aber nur mit einem zweiten Werk 🙂

    Bzgl. Werbung: Ich hasse es, wenn ich von Leuten (Autoren, neue Produkte etc.) zugespammt werde. Ich finde, viel hilft nicht viel, sondern führt bei mir zu Abstoßungsreaktionen. Natürlich, je öfter man vom Buch hört, desto größer ist die Verführung draufzuklicken, weil es möglicherweise doch gut sein könnte. Aber gleichzeitig frage ich mich: Ist es so gut, wenn man dafür Werbung machen muss? Ich fühle mich überrannt. Daher finde ich es besser, wenn Autoren die Rezensionen über mehrere Monate streuen, sodass Leser stetig darauf aufmerksam werden, aber nicht überfordert sind.

    1. „Als Leser erwartet man das und der Autor hat keinen Verlag, der das für ihn tut. Aber… sich anpreisen ist schwer.“ Ja, vor allem wenn man eine natürliche Schamgrenze hat. Ich denke dabei immer an Leute von Greenpeace, die mich auf der Straße ansprechen. Sie tun mir ja leid, aber ich will eigentlich nur in Ruhe zum Zug gehen und nein, auch nichts kaufen. So komme ich mir vor, wenn ich Werbung mache.
      „Sieh her! Mein Buch ist super!“ Jeder Autor findet sein Buch super. Sonst hätte er es schließlich nicht geschrieben. Das ist mehr sehr unangenehm, weswegen ich nur auf meinen Seiten poste.

      Ich denke mir auch oft – mein Gott, warum macht der schon wieder Werbung. Das nervt. Aber offensichtlich hat es eine gewisse Wirkung, sonst würden es die Leute ja nicht tun.

  9. Ich gehöre eher zu den langsamen Schreibern (für meinen ersten und wohl auch einzigen Roman, 400 Seiten) habe ich drei Jahre Lebenszeit gebraucht. Zwar wurde das Buch in den Rezensionen durchweg gut besprochen, dennoch hat der Verkauf nicht mal die entstandenen Kosten eingespielt (von meinem unbezahlten Zeitaufwand ganz zu schweigen). Anfangs hat mich das Ergebnis mächtig enttäuscht, aber in der Rückschau bin ich froh, dass ich mich mit den Tücken des professionellen Schreibens, mit dem Thema Verlagssuche und mit der unberechenbaren Literaturvermarktung auseinandergesetzt habe. Als langsamer Schreiber habe ich mich jetzt aber auf Kurzgeschichten kapriziert (siehe „Herzhafte Happen, Geschichten aus Berlin“). Der Vorteil bei dieser Art schreiben ist, ich kann mit überschaubarem Zeitaufwand in verschiedenartige Lebenssituationen eintauchen und sobald ich genügend Material beisammen habe, diese Geschichten zu einem (hoffentlich) abwechslungsreichen Kaleidoskop zu verknüpfen. Was ich bestimmt nicht kann ist, mit dem Geschichtenschreiben meinen Lebensunterhalt zu bestreiten.

    1. Lieber Herwig,

      Das ist mir mit meinem ersten Buch auch so gegangen. Ich habe nur ca. die Hälfte der Kosten eingespielt. Mit dem zweiten hatte ich dann die Kosten vom ersten und zweiten drinnen, aber noch immer nichts verdient. Ich hoffe, ich komme einmal über diese Grundsache hinweg. V.a. das Lektorat verschlingt Unmengen an Geld, doch es kann sich auszahlen, wenn es gut gemacht.

      Kurzgeschichten schreibe ich nur selten. Ich brauche dazu immer einen Aufhänger, irgendetwas, das mich inspiriert. Früher habe ich bei Wettbewerben mitgemacht – es ist mir unglaublich schwer gefallen, ohne Themenanstoß etwas zu schreiben.

      Ich wünsche dir viel Glück mit dem Projekt. In vielen Hinsichten sind Kurzgeschichten schwieriger als Romane zu schreiben, das empfinde ich zumindest so. Man muss so zielgenau sein, jeder Satz muss passen und auf das Thema … einhacken? Ich weiß nicht, wie ich das beschreiben soll.

      1. Hm, das bezog ich auf Deinen _Artikel_, bzw. das Phänomen, das Du darin beschreibst. Mit der „spinnenden Welt“ meinte ich eben all jene, welche so ein Lese-/Kaufverhalten haben bzw. so etwas von Autoren fordern. 🙂
        LG, Irja

      2. Haha, in Ordnung – sorry! 😀 Ich wurde wegen dem Artikel tw. auch angefeindet, weswegen ich jetzt nicht sicher war, was von beidem gemeint war.

        Ja, ich finde es auch ziemlich verrückt! Wollte aber einmal darauf aufmerksam machen, weil sicher nicht alle Leute darüber Bescheid wissen.

      3. Angefeindet?! – Wow.
        Von Selfpubbies, die sich im Schaffe-schaffe-Wahn ganz toll finden?
        (Du merkst schon, was ich von derlei Schreibe halte. ;-> )

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s