Der zuckende Mauscursor und die Katze vor dem Bildschirm

Wer zu Hause arbeitet, muss sich mit allen Vor- und Nachteilen auseinandersetzen. Unter anderem mit der Präsenz seiner liebsten Haustiere.

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Meine Erfahrung mit Katzen, ihrem Charakter und ihren Eigenheiten habe ich zuletzt in der „Die Drachen von Talanis“-Novelle „Lisbeth“ eingearbeitet, die Juni/Juli  2017 als eBook erscheinen soll.

Das Katzenvieh und der Schreiballtag

Vor ungefähr drei Monaten entdeckte Agathe, dass sich der Mauszeiger auf dem Bildschirm bewegt. Das erschwert mir seither meinen Autorenalltag. Denn Agathe, meine Katze, verdeckt nicht nur größentechnisch perfekt den Bildschirm, sondern besitzt auch noch die Ausdauer, jedes Mal wieder den Schreibtisch zu erklimmen.

Ich bin eine Chaotin, wobei ich mich eher als eine geregelte Chaotin bezeichnen würde. Unter meinen die waagrechten Oberflächen bedeckenden Häufchen herrscht eine gewisse Ordnung. Agathe liegt am liebsten links von meiner Tastatur, auf meinem zur Seite gelegten Zeichenmaterial. Wenn sie müde wird, beginnt sie zu blinzeln, ihr Kopf sinkt herab und belegt die Hochstelltaste. Schiebe ich meine Hand darunter, bedeckt sie mich mit dem Äquivalent eines katzischen Stirnrunzelns. Ihr würde jedoch nicht in den Sinn kommen, sich zu erheben. Hier will schließlich ich etwas von ihr. Und verdammt, diese Tastatur, die gehört schließlich ihr!

Ich glaube nicht, dass Agathe der Computer per se anzieht. Vielmehr sind Katzen keine Einzelgänger, wie es ihnen oft vorgeworfen wird. Sie schätzen Gesellschaft. Während meines Urlaubs fiel mir immer wieder auf, wie sich die Katzen der Nachbarschaft morgens und abends in der Dämmerung an verschiedenen Plätzen versammelten.

Auch meine Katzen suchen Gesellschaft. Da ich viel Zeit am Computer verbringe, suchen sie dort meine Nähe. Wenn meine Mutter im Garten arbeitete, liefen meine Katzen ihr immer dort hinterher. Dabei versuchten sie immer den Anschein zu erwecken, sie wären zufällig anwesend– saßen neben dem Blumenbeet und schleckten sich die Zehen, oder schlichen unauffällig zwischen den Oleandertrögen umher. Liegen sie irgendwo im Weg, scheinen sie einem das Gefühl vermitteln zu wollen, sie selbst wären zuerst da gewesen. Das unterscheidet sie dann wohl doch vom gemeinen Haushund.

Katzen erwecken gerne den Anschein, als wären sie schon immer da gewesen.

Das Zucken des Mauscursors, die wachsende Zeile – neurierig folgt Agathe den Bewegungen auf dem Bildschirm. Für sie besitzt er eine Art Eigenleben. Wenn sie nur lang genug mit der Pfote auf den Bildschirm tapst, dann, ganz sicher – wird sie den Cursor irgendwann erwischen. Beim Schreiben sorgt das manchmal für Ärger, manchmal für auflockernde Momente. Möchte die Katze Futter, muss früher oder später die Arbeit unterbrochen werden. Sie miaut nicht. Viel mehr schmust sie mich zu Tode. Dabei streicht sie mir unaufhaltsam über das Gesicht, bis ich irgendwann die Nerven verliere, die Katze nehme und rufe: Du weißt, ich liebe dich, aber du gehst mir grad unglaublich auf die Nerven! Hilft nix. Kriegt sie kein Futter, kriegt der Autor nicht die Sicht auf den Bildschirm zurück.

Hat sie genug von alledem, klettert sie auf die Rückseite meines Arbeitssessels. Dort döst sie weiterhin vor sich hin. Im Winter wärmt sie damit wunderbar meinen Nacken. Im Sommer, wenn es in meiner Dachgeschosswohnung unglaublich heiß wird, fühlt es sich in etwa an, als säße man bei der größten Mittagshitze mit einer Fellboa im öffentlichen Bad.

 

Meine zweite Katze, Elsa, ist weniger computeraffin. Dass der Bildschirm zu ihrer Belustigung dient, hat sie noch nicht herausgefunden. Ihre Streicheleinheiten holt sie sich trotzdem hin und wieder ab, sucht Schutz auf meiner Schulter. Manchmal belegt sie meine Schoß, während ich schreibe. Zuletzt hatte Elsa einen Spezialeinsatz als Losfee (siehe Bild unten).

Die lieben Viecherlis wären aus meinem Alltag, egal ob nun als Autorin oder nicht, nicht wegzudenken. Natürlich könnte ich mich beschweren, dass sie mir im Weg sitzen. Doch ihre Nähe, der ruhige Herzschlag, die sanfte Zärtlichkeit, die sie dir zukommen lassen, beruhigen mich und erfüllen mich mit einer tieferen Form der Zufriedenheit. Wenn ich mal abhebe oder in den virtuellen Welten zu versumpfen drohe, holen sie mich zurück auf den Boden der Tatsachen. Eine warme Katze auf dem Schoß, das sanfte Vibrieren durch deine Hand – ihre Zufriedenheit für das Einfache wird zu der meinen.

Wenn ich also wieder mal über Rankings, Rezensionen oder meinem Manuskript verzweifle, gibt es nichts Besseres, als sich einen Moment mit einem Tier zu nehmen. Denn dann erkennt man, dass die Dinge, die einen glücklich machen, eigentlich ganz einfache sind.

 

Ihr wollt etwas über den Autorenalltag und die Haustiere anderer AutorInnen erfahren? Schaut doch hier vorbei:

 

Catalina Cudd – „Sabber in der Tastatur“:

(Ausschnitt) „… Die Frautorin blickt stirnrunzelnd auf den Bildschirm und liest: >>>>>>>>>>>>>>>, gefolgt von einem Cursor, der penetrant am linken Bildschirm hängt und sich nicht ins Textfenster bewegen lassen will, egal wie wild sie über das Trackpad des Laptops wischt.
Der Mann schaut ihr über die Schulter und murmelt was von: »Ich verstehe ja nix von Literatur, aber ich prophezeie mal, ein Roman, dessen Text aus lauter liegenden Vs besteht, könnte es schwer haben, sich auf dem Markt zu behaupten. Sind die Vs umgekippt oder hat das eine künstlerische Bedeutung, für die ich noch nicht besoffen genug bin?«“

 

Lisa Skydla – „Viecher! – Autoren und das liebe Vieh“

(Ausschnitt) „… Meine Viecher in der Reihe „Wild Things“ haben es da natürlich viel besser, die verwandeln sich nur, wenn es passt. Das ist schon praktisch oder? Einfach mal so in die Haut eines Geparden oder eines Jaguars zu schlüpfen stelle ich mir schon toll vor. Wenn man dann keine Lust mehr auf Tier-Sein hat, dann wird man eben wieder Mensch! …“

 

Margaux Navara – „Von Katern und Katzen und sinnvollem Leben an sich“

(Ausschnitt) „… Wir rufen ihn Katze. Einfach so. Nur: Katze.
Dass das ein wirklich perfider Witz ist, erkennt er natürlich nicht. Weil er nämlich gar kein ganzer Er mehr ist. Sex ist für ihn nur ein sinnloses Wort. Kann er nicht. Hatte er noch nie. Wird er nie ausprobieren können. …“

10 thoughts on “Der zuckende Mauscursor und die Katze vor dem Bildschirm

  1. Bei mir und dem Scotty läuft’s dann schlussendlich darauf hinaus, dass er sich hinter meinen Laptop setzt und mich mit Kulleraugen ansieht oder sich einfach quer über meine Laptoptastatur schmeißt – damit liegt er dann quasi wieder in meinem Schoß, weil ich den Laptop meistens auf den Oberschenkeln abstütze. Katzen brauchen eben auch immer mal wieder ihre Aufmerksamkeit – dass sie damit dem Frauchen die Arbeit erschweren ist ihnen entweder nicht bewusst oder schnurzpiep egal 😀

      1. Ich hab sogar ein Foto, wo er hinterm Laptop sitzt und die Hälfte seines Kopfes mit ganz großen Augen drum herum schielt. Da wollte er aber verstecken spielen ^^“

  2. Oh ja, das verstehe ich gut! Merke auch ständig, dass die meisten Katzen keine Einzelgänger sind, wie immer behauptet wird. Meine wagt sich allerdings selten auf den Schreibtisch, weil zu wenig Platz ist oder vielleicht weil sie einfach kein Interesse hat. Wenn ich mit Laptop am Bett liege, sieht das schon wieder ganz anders aus … aber wenn sie mir weiterhin so wunderbare Rückenmassagen gibt, darf sie im Gegenzug auch ein bisschen mit dem Schwanz vor meinem Gesicht herumwedeln. 😀

    1. Hahaha, legt er sich dann immer auf deinen Rücken, wenn du am Bauch liegst? Meine Katze macht das auch, allerdings ohne Massage.

      Agathe ist der Laptop schnuppe, doch Elsa findet es toll, sich dann auf mich und ihn zu legen, wenn ich in meinem Lesesessel sitze. Hat wohl einen kuscheligen Höhlen-Charakter, wenn alles rundherum schön abgeschlossen ist!

      1. Genau, sie tappt immer ein bisschen im Kreis herum, bevor sie sich hinlegt. Und sie ist auch nicht allzu schwer, daher ist das total angenehm. 😀

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